Weitere Leistungen

Wenn Sie einen pflegebedürftigen Angehörigen im eigenen Zuhause pflegen, können Sie auf weitere Unterstützungsleistungen zurückgreifen.

Das Pflegeunterstützungsgeld

Jeder Angehörige hat den gesetzlichen Anspruch, sofort 10 Tage frei zu bekommen, wenn akut die Pflege für einen nahen Angehörigen übernommen bzw. organisiert werden muss.

Das Pflegeunterstützungsgeld kann von Arbeitnehmern bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen beantragt werden. Das Geld kompensiert den Verdienstausfall des Arbeitnehmers während der unbezahlten Freistellung. Die 10 Tage müssen nicht an einem Stück genommen werden, sondern können auf unterschiedliche Zeiträume oder auf mehrere Angehörige aufgeteilt werden. Es gilt jedoch in Summe maximal 10 Tage pro Pflegebedürftigen.

Welche Voraussetzungen müssen für die Freistellung und damit den Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld erfüllt werden?
Es muss eine schriftliche Bescheinigung vom Arzt vorliegen, dass eine akute Pflegesituation eingetreten ist, die die Unterstützung der Familie erforderlich macht. Zudem muss der Angehörige akut pflegebedürftig sein, es muss jedoch kein Pflegegrad vorliegen. Selbstständige, Beamte sowie Bezieher von Leistungen nach SGB II und SGB III, die keine Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt ausüben, haben keinen Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld.

Pflegeunterstützungsgeld beantragen

Das Pflegeunterstützungsgeld kann über die Pflegekasse des zu pflegenden Angehörigen beantragt werden. Der Anspruch auf 10 Tage kann pro zu pflegendem Angehörigen nur einmal gestellt werden, jedoch auf mehrere Angehörige aufgeteilt werden (z.B. beide Geschwisterkinder nehmen jeweils 5 Tage in Anspruch, um die Pflege der Mutter zu organisieren).

  • Erforderliche Unterlagen:
  • - Antrag auf Pflegeunterstützung
  • - ärztliche Bescheinigung des behandelnden Arztes des pflegebedürftigen Angehörigen (kann auch nachgereicht werden)
  • - Entgeltbescheinigung vom Arbeitgeber

Wie hoch ist das Pflegeunterstützungsgeld?

Beim Pflegeunterstützungsgeld wird keine Pauschale ausgezahlt, sondern es wird individuell nach Gehalt abgerechnet. Abgedeckt werden 90 Prozent des Nettogehalts, maximal jedoch 96,25 Euro pro Tag. Sie können die Höhe des Pflegeunterstützungsgelds z.B. hier berechnen. Angehörige haben außerdem die Möglichkeit, sich für bis zu sechs Monate von der Arbeit freistellen zu lassen oder für maximal 24 Monate in Teilzeit zu arbeiten - solange das Minimum von 15 Wochenstunden erfüllt wird. Lesen Sie hierzu unseren Artikel zur Arbeitsfreistellung.

Wohnraumanpassung

Die Pflegekassen unterstützen sog. „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“ für die häusliche Pflege. Das beinhaltet zum Beispiel die Installation eines Treppenlifts oder den Einbau einer barrierefreien Dusche. Diese Maßnahmen sollen dem Pflegebedürftigen ein längeres und selbstständiges Leben im eigenen Zuhause ermöglichen. Pflegebedürftige werden von den Kassen mit maximal 4.000€ pro Maßnahme für die Wohnraumanpassung unterstützt. Als Maßnahme versteht man die Gesamtheit aller baulichen Veränderungen zum selben Zeitpunkt. Sie können einen erneuten Zuschuss beantragen, wenn Sie weitere wohnumfeldverbessernde Maßnahmen vornehmen müssen, um die Selbstständigkeit für Ihren Angehörigen weiter zu ermöglichen. Voraussetzung für den Zuschuss ist das Erfüllen von mindestens einem der folgenden drei Kriterien:

  • 1. Durch die Maßnahme wird die häusliche Pflege erst möglich
  • 2. Die Umbauten erleichtern die häusliche Pflege erheblich und verringern die Belastung für den Pflegebedürftigen bzw. die Pflegepersonen
  • 3. Die Umbaumaßnahmen ermöglichen eine selbstständigere Lebensführung des Pflegebedürftigen

Was könnten „wohnumfeldverbessernde“ Maßnahmen sein?

Die folgende Liste führt beispielhaft einige Maßnahmen auf:

  • - Treppenliftinstallation
  • - Rutschsichere Ausstattung der Stufen im Treppenhaus
  • - Anbringen eines beidseitigen Geländers im Treppenhaus
  • - Verlegung von rutschfesten Bodenbelägen
  • - Einbau einer barrierefreien Dusche oder Umbau von einer Wanne zu einer Dusche
  • - Eine leicht zugängliche Toilette
  • - Anbringen von Haltegriffen und Stützstangen
  • - Umbau für eine barrierefreie Küche
  • - Bewegungsmelder für den nächtlichen Weg zur Toilette
  • - Abbau von Stolperfallen in Wohnräumen

Entlastungsbeitrag

Der Entlastungsbeitrag ist ein vom Sozialgesetzbuch festgelegter Betrag, der die zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistung regelt. Dieser ist für alle Pflegegrade (1-5) gleich hoch und beträgt pro Monat 125€. Anspruch auf den Entlastungsbeitrag haben alle Pflegebedürftigen, die ambulante Pflegeleistungen der Pflegeversicherung beziehen und zu Hause gepflegt werden. Mit diesem Entlastungsbeitrag können Sie unter anderem Leistungen der Tages- und Nachtpflege, der Kurzzeitpflege oder Angebote zur Unterstützung im Alltag finanzieren.

Für den Entlastungsbeitrag muss kein separater Antrag gestellt werden, denn jeder Pflegebedürftige hat automatisch einen Anspruch. Für die Kostenerstattung gilt: Sie treten zuerst in Vorleistung und reichen im Nachhinein die Rechnungen bei der Pflegekasse ein. Idealerweise sprechen Sie vorab mit der Pflegekasse ab, welche Leistung und Anbieter Sie in Anspruch nehmen möchten. So können Sie sicherstellen, dass die von Ihnen genutzte Leistung bzw. der Anbieter für die Unterstützung im Alltag qualifiziert ist und Sie die Kosten erstattet bekommen.