Steuerliche Absetzbarkeit von Pflegekosten

Um Pflegebedürftige und ihre Angehörigen finanziell zu entlasten, können einige Pflegekosten von der Steuer abgesetzt werden.

Die Pflege von Verwandten kann sowohl physisch als auch psychisch belastend sein. Oft fehlt schlicht die Zeit, sich darüber hinaus um Zuschüsse oder die steuerliche Behandlung von Pflegekosten zu informieren. Wir haben im nachfolgenden Artikel einige Informationen hierzu für Sie zusammengestellt, die Ihnen hoffentlich einen besseren Überblick verschaffen. Diese Informationen haben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit, bei Detailfragen wenden Sie sich bitte an das Finanzamt oder Ihren Steuerberater.

Welche Pflegekosten können von der Steuer abgesetzt werden?

Bei der Absetzbarkeit der Pflegekosten müssen einige Dinge beachtet werden. Am wichtigsten ist, dass nur Kosten erstattet werden, die nicht bereits von der Pflege-/ oder Krankenkasse übernommen worden sind und dass ein offiziell bestätigter Pflegegrad vorliegen muss. Außerdem wird für die Rückerstattung unterschieden zwischen außergewöhnlicher Belastung und haushaltsnahen Dienstleistungen.
Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen unter anderem die Krankheitskosten, wie Arztkosten, Fahrtkosten oder Zuzahlungen für Medikamente, die die Krankenkasse nicht übernimmt. Darüber hinaus können Pflegekosten, die nicht bereits von der Pflegekasse beglichen worden sind, sowie Unterhaltskosten bei der Steuererklärung eingereicht werden.
Hierbei werden erst Ausgaben über einer sogenannten „zumutbaren Belastung“ anerkannt. Das bedeutet, dass ein bestimmter Teil der Pflegekosten nicht von der Steuer absetzbar ist, sondern als zumutbarer Eigenanteil selbst getragen werden muss.

Wie kann der von der Steuer absetzbare Betrag als außergewöhnliche Belastung errechnet werden?

Bei der Berechnung der außergewöhnlichen Belastung werden die jährlichen Einkünfte, Familienstand und Anzahl der Kinder berücksichtigt. Die folgende Tabelle zeigt den Prozentsatz der zumutbaren Belastung in Abhängigkeit des Familienstandes sowie der Einkommenssituation. Alle Ausgaben, die die zumutbare Belastung übersteigen, können dann als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden.

Familienstand / Jahreseinkommen bis 15.340 € bis 51.130 € über 51.130 €
Ledige ohne Kind 5 % 6 % 7 %
Verheiratete ohne Kind 4 % 5 % 6 %
mit 1 oder 2 Kindern 2 % 3 % 4 %
mit mehr als 2 Kindern 1 % 1 % 2 %
Leistung / PG 1 2 3 4 5
Pflegegeld 0 € 316 € 545 € 728 € 901 €
Sachleistung 0 € 689 € 1.298 € 1.612 € 1.995 €
Tages- und Nachtpflege 0 € 689 € 1.298 € 1.612 € 1.995 €
Vollstationäre
Pflege
125 € 770 € 1.262 € 1.775 € 2.005 €

Hier können Sie Ihren individuellen Eigenanteil berechnen, der als zumutbare Belastung gilt. Genaue Beispiele und detaillierte Erläuterungen können hier nachgelesen werden.

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Kosten, die Sie nicht als außergewöhnliche Belastung geltend machen können, können bei der Steuer als sogenannte haushaltsnahe Dienstleistung eingereicht werden.

Dazu zählen Ausgaben für einen ambulanten Pflegedienst, Haushaltshilfen oder mobile Verpflegungsservices. Wichtig hierbei ist, dass keine der Leistungen eine medizinische Behandlungspflege bzw. Krankenpflege enthält. Pflegeleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen müssen getrennt auf der Rechnung aufgeführt werden.

Darüber hinaus können Sie die Kosten für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen und Haushaltsnotrufsysteme im eigenen Hause oder einer Einrichtung für betreutes Wohnen bei der Steuer geltend machen. Eine genaue Liste, was zu den haushaltsnahen Dienstleistung gehört, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hier hinterlegt.

Pflegepauschbetrag

Sollten die Pflegekosten unter dem Betrag des Pflegepauschbetrages i.H.v. 924 Euro liegen, lohnt es sich grundsätzlich, den Pauschbetrag zu beantragen.

  • Wer hat Anspruch auf den Pflegepauschbetrag?
  • - Personen, die als hilflos eingestuft werden (Nachweisbar durch Schwerbehindertenausweis mit der Kennzeichnung „H“ für Hilflos oder „BI“ für Blind)
  • - Personen mit Pflegegrad 4 oder 5
  • - Die zu pflegende Person muss zu Hause und persönlich gepflegt werden (10% der Pflege muss von Ihnen selbst erledigt werden)
  • - Die Aufwendung der Pflege muss zwangsläufig sein, dies ist bei persönlicher Pflege von Angehörigen immer der Fall
  • - Der Pflegende erhält KEINE Einnahmen für seine Pflege (auch nicht das weitergeleitete Pflegegeld)

Welche Nachweise sollten Sie zur Absetzung der Pflegekosten unbedingt aufbewahren?

Seit 2017 gilt die Belegvorhaltepflicht, was bedeutet, dass die Belege nicht mehr eingereicht werden müssen, sollten aber mindestens bis zur Zusendung des Steuerbescheids aufbewahrt werden. Dazu gehören:

  • - Rechnungen über genutzte Leistungen (z.B. Pflegedienst, Pflegehilfsmittel, Arzneimittelbelege)
  • - Bescheide der Pflegekasse inkl. Bescheid über die Einstufung in den Pflegegrad
  • - Alle Versicherungsbescheide
  • - Nachweis über psychische Erkrankungen, Demenz oder Behinderung, wegen der eine Betreuung notwendig ist.