Arbeitsfreistellung

Welche Möglichkeiten der Arbeitsfreistellung haben Sie als pflegender Angehöriger?

Die Pflege eines Angehörigen kann durch die Doppelbelastung mit Job und Pflege schnell anstrengend und überlastend werden. Welche Möglichkeiten der Arbeitsfreistellung Sie als pflegender Angehöriger haben, erfahren Sie in diesem Artikel.

Kurzzeitige Arbeitsverhinderung von 10 Tagen

Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung ist eine Freistellung, die auf maximal 10 Tage begrenzt ist. Diese Freistellung kann mit einem Attest vom Arzt über die Übernahme der Pflege eines Angehörigen erwirkt werden. Diese Kurzzeitpflegezeit ist meist unbezahlt, der Lohnverlust kann durch das Pflegeunterstützungsgeld der Pflegekasse ausgeglichen werden. Bezahlt werden 90 Prozent des Nettogehalts, der Höchstbetrag liegt jedoch bei 96,25 Euro pro Tag.

Pflegezeit von 2-6 Monaten

Darüber hinaus haben Arbeitnehmer, die in einem Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern arbeiten, das Recht, sich bis zu sechs Monate Sonderurlaub für die Pflege eines Angehörigen ab Pflegegrad 2 zu nehmen. Zu beachten ist jedoch, dass auch diese Freistellung unbezahlt ist und schriftlich bis spätestens zehn Tage vor dem Sonderurlaub einzureichen ist. Benötigt wird dafür eine Bescheinigung vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) oder der Pflegekasse über den Pflegegrad des Angehörigen. In dieser Pflegezeit genießt der Arbeitnehmer Kündigungsschutz und die Sicherheit, in den Job zurückzukehren. Um den Verlust des Gehaltes auszugleichen, können Sie beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein zinsloses Darlehen in Höhe von mindestens 50 Euro und maximal 50 Prozent des Nettogehalts beantragen. Wichtig: Bei der sechsmonatigen Pflegezeit sind Sie nicht automatisch weiter über die gesetzliche Krankenkasse versichert. Sie können sich jedoch beitragsfrei bei Ihrem Partner in der Familienversicherung mitversichern lassen. Alleinstehende müssen sich freiwillig bei einer Krankenkasse versichern. Dafür kann ein Zuschuss bei der Pflegekasse beantragt werden.

Familienpflegezeit für maximal 2 Jahre

Wenn Sie einen zu pflegenden Angehörigen für eine längere Zeit pflegen möchten / müssen, gibt es die Möglichkeit der Familienpflegezeit. Dies bedeutet, dass Sie für maximal 24 Monate Ihre normalen Wochenarbeitsstunden verringern können. Die Mindestarbeitszeit muss 15 Wochenstunden betragen. Dafür müssen Sie in einem Unternehmen arbeiten, das mehr als 25 Mitarbeiter beschäftigt und der Antrag muss dem Arbeitgeber bis zu acht Wochen vor gewünschtem Start vorliegen. Sie können auch direkt nach der Pflegezeit (s.o.) in die Familienpflegezeit gehen. Wenn Sie diesen Weg wählen, darf die Gesamtdauer von 24 Monaten nicht überschritten werden. Beispiel: Sie nehmen sich eine Pflegezeit von 4 Monaten, im direkten Anschluss dürfen Sie noch bis zu 20 Monate Familienzeit nehmen. Dieser Antrag zur Kombination muss 12 Wochen im Vorfeld gestellt werden und setzt voraus, dass der Angehörige auch in dieser Zeit pflegebedürftig bleibt.

Begleitung der letzten Lebensmonate

Wenn Sie einen Angehörigen in seiner letzten Lebensphase begleiten möchten, können Sie dafür eine Freistellung von bis zu drei Monaten beantragen. Hierbei steht die Pflege des Angehörigen nicht im Mittelpunkt, daher muss kein Pflegegrad vorliegen. Der Betroffene kann in diesem Fall auch in einem Hospiz oder einer anderen Einrichtung gepflegt werden, denn es geht bei dieser Freistellung nicht um die Pflege eines Angehörigen, sondern die Möglichkeit, ein letztes Mal Zeit mit ihm zu verbringen. Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf diese dreimonatige Freistellung.